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Jüdische Geschichte

GESCHICHTE DER JUDEN IN UNSLEBEN

 

In der Anfangszeit der Schlossherren von Speßhardt gab es in Unsleben nur zwei bis drei Judenfamilien. Im Lauf des 17. Jahrhunderts und bis zur Übernahme des Schlosses durch die Familie der von Habermann in 1749 war die Zahl der Judenfamilien bis auf 26 Familien angewachsen. Die Adeligen, auch in anderen Dörfern, konnten durch die Inschutznahme von Juden durch Schutzgelder, Mieteinnahmen und vielerlei Abgaben ihre Einnahmen steigern. Unter den von Habermann ist die Zahl der Judenfamilien von 1749 bis 1817 auf nahezu 40 Familien angestiegen. Die Einnahme von Judengeldern machten rund 25% des gesamten Schlosshaushaltes aus.

Mit der Übernahme des ehemaligen Fürstbistums durch die Bayern kamen die Juden auch in den Genuss des bayerischen Judenediktes, das den bis dahin nahezu Rechtlosen beschränkte Bürgerrechte gewährte und die Schutzherrschaft überflüssig machte. Von da ab wurden die Juden zusehends wohlhabender, was zunächst noch mehr Reibungsfläche mit den christlichen Einwohnern brachte. Christen und Juden hatten etwa gleich viel, sieben bis acht und mehr, Kinder. Die Kindersterblichkeit bei den Juden war jedoch wesentlich geringer als bei den Christen, eine Folge des unterschiedlichen Wohlstandes. Der Anteil der Judenfamilien wuchs daher noch weiter bis auf 60 um das Jahr 1860, als die Juden mehr als 25% der Einwohnerschaft Unslebens ausmachten.

Die Synagoge war in einem primitiven Gebäude im Hof des Anwesens Streugasse 17 untergebracht. Die Juden kauften daher bereits 1837 eine der Zehntscheunen in der Kemmete und bauten 1856/57 nach Abbruch der Zehntscheune dort ihre Synagoge von Grund auf neu.

Bis dahin mussten die Juden, wie fast alle Juden des heutigen Rhön-Grabfeldkreises ihre Toten auf dem Judenhügel in Kleinbardorf beerdigen. Dies bedeutete jedesmal ein für die damaligen Verkehrsverhältnisse beschwerliches Unternehmen, zumal mindestens zehn Männer bei jeder Beerdigung dabei sein mussten. Es wurden daher um diese Zeit in vielen Orten und auch in Unsleben eigene Friedhöfe durch die Juden angelegt. Wie in Unsleben waren diese Friedhöfe im Gegensatz zu den christlichen möglichst weit vom Ort entfernt aus verschiedenen Gründen: Den Christen nicht vor die Nase, Landerwerb billiger, Totenruhe.

 

Im Unslebener Friedhof wurden von 1857 bis 1940 225 Juden beerdigt, fast alle Gräber sind bis heute erhalten. Leider ist eine gewisse Anzahl der Gräber anonym, weil durch den Vandalismus in der Nazizeit ein Teil der Grabtafeln zerstört wurde und bei weitem nicht alle in der Nachkriegszeit von Angehörigen wieder ersetzt wurden.

In der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts begann auch bei den Juden bereits die Abwanderung aus den Dörfern mehr in die Städte, aber auch Amerika, weil dort bessere Entfaltungsmöglichkeiten für die überwiegend geschäftlich orientierten Juden bestanden.

Mit der Gründung des ersten Deutschen Reiches erhielten sie die vollen Rechte als Staatsbürger. Lediglich das Richteramt und die Offizierslaufbahn war ihnen noch verschlossen. Sie begannen auch unter Beibehaltung ihrer Religion sich mehr und mehr in die dörfliche Gemeinschaft zu integrieren. Sie wurden Mitglieder der örtlichen Vereine, meist auch in der Vorstandsschaft als Schriftführer oder Kassierer. In einem Dorf wie Unsleben vermieden sie es, Mischehen mit Christen einzugehen und waren in ihrem Glauben sehr orthodox. Das verhinderte auch hier die völlige Assimilation in der Dorfgemeinschaft.

 

In 1932 gab es in Unsleben noch 31 Judenhäuser und 47 Haushalte. Bis 1939 konnten die meisten auswandern. Alleinstehende ältere Juden wurden anfangs der vierziger Jahre in Altersheime in Würzburg untergebracht, sie wurden im September 1942 nach Theresienstadt deportiert und sind dort umgekommen. Die in Unsleben verbliebenen Familien und rüstigen Älteren wurden im April 1942 über Würzburg nach Izbica deportiert und sind dort umgekommen. Die Gemeinde hat den Opfern des Holocaust in der Schlossgasse nahe ihrer Synagoge ein Denkmal errichtet gegen das Vergessen.

(Text: Josef Hesselbach)


http://www.alemannia-judaica.de/unsleben_synagoge.htm

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